Geschichte des Ortes:

Der Name des Ortes geht auf den heiligen Sebastian zurück, einem christlichen Märtyrer aus dem 3. Jahrhundert, welcher Schutzpatron der katholischen Pfarrkirche in Sankt Sebastian ist.

Der Historiker Franz-Josef Heyen datiert die erste urkundliche Erwähnung des Ortes auf das Jahr 1150. In der Gründungsgeschichte der Abtei Rommersdorf wird hierzu berichtet, dass der Abt Heinrich die curtis Engersche trans Rhenum cum ecclesia quae ad ipsam pertinet (das Hofgut Engers jenseits des Rheins mit Kirche, die zu diesem gehört) erworben hat. Dieser Kauf wurde im Zusammenhang eines Besitzstreites in einer Liste des Papstes Viktor IV. am 11. September 1162 urkundlich beglaubigt.

In den folgenden Jahrhunderten kann ein mehrfacher Wechsel des Besitztums nachgewiesen werden. 1329 kauft Ritter Waldpode von Andernach den Ort unter dem Namen Ober-Engersch. 1371 geht der Ort wieder zum Kurstaat Trier über. Im Jahr 1419 zieht Kurfürst Otto von Ziegenhain das Virneburger Lehen samt Bergpflege, darunter auch Sankt Sebastian, unter kurfürstliche Verwaltung ein. 1445 schließlich gelangt St. Sebastian unter die direkte Landeshoheit des Trierer Kurfürsten. Als Name des Ortes wird St. Sebastian-Engers festgeschrieben.

Seit 1410 hatte St. Sebastian ein eigenes Dorfgericht. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde ab 1657 im Gemeindehaus Unterricht erteilt. 1660 wurde ein regelmäßiger Fährbetrieb zwischen St. Sebastian und Bendorf aufgenommen.

Im Jahr 1675 wurde das Pfarrhaus St. Sebastian bei einem Brand vernichtet. Erst 1680 ist es wieder neu errichtet, als Name des Ortes gilt nun Sanct Sebastian.

1699 wütet die Pest im nahen Eich (heute ein Stadtteil von Andernach). Um für Erbarmen zu bitten pilgern gläubige Eicher nach St. Sebastian. Diese so genannten Eicher Prozessionen existieren als Tradition noch heute.

1780 wurde das erste Schulhaus im Ort neben dem Pfarrhaus errichtet. Auf dem gleichen Grund befindet sich noch heute die Grundschule des Ortes.

Nach der Einnahme durch die Franzosen im Jahr 1794 annektiert Frankreich 1797 zusammen mit den linksrheinischen Gebieten Kurtriers auch St. Sebastian. Einhergehend mit der Säkularisation der geistlichen Fürstentümer wird die Abtei Rommersdorf aufgelöst. Ab 1804 müssen die Kinder, unter dem Druck der Besatzung, in der Schule Französisch lernen. 1813 beginnen dann die Befreiungskriege gegen die Herrschaft Napoleons. 1. Januar 1814 rückt der preußische Generalfeldmarschall Blücher mit seinem schlesischen Heer über den Mittelrhein gegen die Franzosen vor und erzwingt den Rückzug der Franzosen. Als Folge der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress erhalten die Preußen unter anderem wesentliche Teile Kurtriers und errichten somit ihre Vormachtstellung am Rhein. St. Sebastian kommt unter preußische Verwaltung, bildet im Landkreis Koblenz die Bürgermeisterei Sankt Sebastian. 1822 wurde die Rheinprovinz mit Sitz in Koblenz gebildet.

Im Zuge der Industrialisierung erhält auch St. Sebastian Anschluss an moderne Errungenschaften: Seit 1913 fährt die erste Motorfähre zwischen St. Sebastian und Bendorf und ab 1918 gibt es elektrisches Licht im Ort. Im Jahr 1927 gibt es das erste Leitungswasser in St. Sebastian. Die Qualität des Grundwassers ist derart hoch, dass große Teile der Gemarkungsflächen noch heute als Trinkwasserschutzgebiet fungieren.

Das Vereinsleben im Ort befand sich währenddessen im steten Aufbau. Bereits 1863 wird die Schützenbruderschaft gegründet und tritt dem Rheinischen Schützenbund bei. Die Gründung des Männer-Gesangvereins MGV 1882 St. Sebastian wind mit 1882 datiert; die Kirmesgesellschaft St. Sebastian entsteht 1904. Im Jahr 1919 entsteht ein Fußballverein, 1920 ein Turnverein, welche sich 1932 zum Turn- und Sportverein St. Sebastian 1919 zusammenschließen.

Die Freiwillige Feuerwehr entsteht 1927. 1953 gründen sich unabhängig voneinander der Musikverein St. Sebastian und die Katholische Frauengemeinschaft. Alle diese Vereine sind noch heute aktiv und ein wesentlicher Bestandteil des Dorflebens. Seit 1971 besteht zudem eine Partnerschaft mit der Gemeinde Breitenbach am Inn in Österreich.

Der Fährbetrieb zwischen St. Sebastian und Bendorf wird schließlich 1962 eingestellt. In den folgenden Jahren erfährt das Ortsbild noch viele Veränderungen, z. B.: 1970 zieht der katholische Kindergarten in sein neues Gebäude, 1976 wird die Volksschule in eine Grundschule umgewandelt, welche 1992 renoviert und erweitert wird. Seit 1988 bereichert der Brunnenplatz am Mülheimer Weg das Dorfleben, seit 1996 folgt der zweite Brunnenplatz mit Anlage an der Bendorfer Brücke. Ab 1997 fungiert die neue Sport- und Mehrzweckhalle als zentrale Lokalität für die kulturellen Veranstaltungen des Ortes. Auf Grund der Erschließung einer Reihe von Neubaugebieten bestimmen heute neuere Ein- und Mehrfamilienhäuser den Charakter des ehemals landwirtschaftlich geprägten Ortes, während im Ortskern Nahe der Dorfkirche nur noch wenige Fachwerkhäuser zu sehen sind.

Im Jahr 2000 feierte die Ortsgemeinde St. Sebastian ihr 850-jähriges Jubiläum.

Mit der Genehmigung vom 16. August 1935 wurde Sankt Sebastian gemäß der damaligen Deutschen Gemeindeordnung das Recht zur Führung eines Gemeindewappens verliehen. Die damalige Blasonierung des Wappens wurde wie folgt beschrieben:

„Das Wappen gehört zu den Dreieckswappen. Es ist gespalten von Silber (Weiß) mit einem durchgehenden, roten, lateinischen Balkenkreuz und von schwarz mit zwei diagonal gekreuzten Pfeilen in Silber (Weiß), welche mit Widerhaken und Fiederung bestückt sind. Die Balken des Kreuzes kreuzen sich in der Mitte des Längsbalkens. Der Schnittpunkt der Pfeile liegt auf Höhe der waagerechten Mittellinie des Kreuzquerbalkens“.

Das rote Kreuz steht für das Kurfürstentum Trier, zu dem Sankt Sebastian bis zum Ende des 18. Jahrhunderts landesherrlich gehörte. Die Pfeile zeigen die Verbundenheit mit dem Heiligen Sebastian, welcher Namensgeber des Ortes und Schutzpatron der katholischen Pfarrkirche ist.

Seit dem 1. Mai 1989 führt St. Sebastian auch eine eigene Fahne. Diese besteht aus einem rechteckigen Tuch, das der Länge nach in eine rote und eine weiße Hälfte aufgeteilt ist. Zentral in dessen Mitte befindet sich das Gemeindewappen derart, dass der weiße Grund mit dem Kreuz ganz auf der roten und der schwarze Grund mit den Pfeilen ganz auf der weißen Seite liegen.

Bürgermeister:

Am 8. Juni 2014 wurde Marco Seidl (SPD) in einer Stichwahl mit 51,29 % neu gewählter Ortsbürgermeister von Sankt Sebastian. Er löst Martina Ehrlich in diesem Amt ab.

Einwohner stand vom Dezember 2016 = 2676 Mitbürger.